28.04.09: Eine Szenerie aus dem Backes

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, rief Jan und deutete auf die letzte Flasche des Kastens, aber Olli war schneller.

„Den letzten beißen die Hunde“, sagte Olli. Der 35-jährige Lokführer war elfengleich aufgesprungen, hatte sich die Flasche geschnappt, sie am Kasten geöffnet und Jan zugeprosted. Völlig entgeistert starrte dieser auf die leere Kiste.

„Tja, wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“, lachte Tobias und schaute Jan an. Dann fiel aber auch sein Blick erst auf die leere Kiste, dann auf die leere Flasche in seiner Hand und seine Augen verengten sich.

„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, fiel Reiner in die niedergeschlagene Runde ein und zog grinsend ein zweites Bier hervor, das er hinter seinem Rücken versteckt hatte.

„Geben ist seliger, denn nehmen“, plärte Daniel, als Reiner stolz seine Notreserve präsentierte und schnappte zu. Als er sich mit seiner Beute hinter die Musikanlage verziehen wollte, blieb er an der obersten Stufe hängen und die Flasche fiel zu Boden, wo sie in viele kleine Teile zerbrach.

„Wer bricht, der wischt“, gab Jürgen honigssüß von der Theke aus zum besten und schaute dabei auf den bemitleidenswerten Daniel.

„Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht“, feixte Ritchie und nahm einen großen genüßlichen Schluck aus seiner Flasche.

„Nicht gleich den Sand in Kopf stecken“, flachste Fauli, der Älteste der Runde. Dann musste er lachen, da ihm sein Fauxpas aufgefallen war.

„Im Alter sind alle Faulis grau“, ratterte Peter und schlug Fauli auf die Schulter.

„And now can come what want – wie Uschi Disl mal im Interview treffend bemerkt hat“, hatte sich Jan wieder gefangen.

„Manchmal ist weniger mehr“, scherzte Ingo. Dann fiel aber auch ihm auf, dass es das letzte Bier war, welches soeben das Zeitliche gsegnet hatte und er schaute betröpelt zu Boden.

„In der Not frisst der Teufel fliegen“, sagte Peter traurig und vergriff sich an einem Mixery. Während die Runde sich schweigend gegenüber saß, bemerkte keiner wie die Tür aufging.

„Eine neue Kiste ist wie ein neues Leben“ begrüßte Ali die anderen und wuchtete eine neue Kiste auf die Alte.

„Die Kiste ist tot, es lebe die Kiste“, rief Ingo.

„Es ist eben noch nicht aller Tage Abend“, freute sich Ebi und öffnete eine neue Flasche.

„Wer die Wahl hat, hat die Qual“, sagte Tobias und prüfte die Temperatur verschiedener Flaschen.

An dieser Stellle blenden wir uns aus dieser lustigen Szenerie aus und lassen die Freunde allein. Schließlich ist die Nacht noch jung.