Nov. 2011: Dä Murscher Äbbelwäin

Im Jahre 2006 entschlossen sich Matthias und Frau Anette Arm: "Wir machen uns selbstständig!"
Frau Arm hatte jahrelang bei erfahrenen Murscha Fiezherstellern referenzfreie Praktika absolviert. Gemeinsam stellten sie Apfelwein für den Eigenbedarf her.
Um von deren Zeitplänen unabhängig zu sein, tat sie sich gerne mit dem aufstrebenden Jungunternehmer Matthias zusammen. Seither keltern sie jedes Jahr im Herbst die eigenen Äpfel aus (teilweise kontrolliert) biologischem Anbau.
Literweise stellen sie den, von einzelnen Leuten heiß begehrten, Fiez her.
Wirklich unabhängig sind sie jedoch noch nicht geworden, da sie sich fast das gesamte Equipment und die Location von den Altmeistern ausleihen.
Jahrelang wurde dieses Ereignis von wechselnden Gästen begleitet. Seit dem letzten Jahr gesellten sich die Familien von Dani und Ingo professionell hinzu. Sie waren allerdings weniger auf den Fiez als vielmehr auf den Apfelsaft aus. Das war unschwer an den sauberen und einheitlichen Flaschen zu erkennen, die für mehrere 100 Liter Abfelsaft geliehen und gesäubert worden waren.
Dieses Jahr fand die Aktion zum ersten Mal nicht in der Scheune von Bürgermeister A.D., Kurt, statt. Anette und Matthias hatten zu einem Zeitpunkt angefragt, als die Altmeister schon längst ihren Fiez gekeltert hatten. Sämtliche Geräte waren bereits gesäubert und veräumt worden.
So verlegten die beiden jungen Unternehmer ihrer Kelterei spontan auf den Hof unserer Schweizer Freunde, Wern und Martina.

 

Am Vormittag waren Äpfel im gesamten Dorfgebiet "geraff" worden. Damit der Fiez seinen klassischen Geschmack bekommt, werden die Bäume geschüttelt.

Erst wenn die Äpfel reif genug für die Herstellung des manchmal begehrten Apfelweines sind, fallen sie beim kräftigen rütteln am Stamm von den Ästen.

Bis in die Abendstunden hinein machte sich Matthias mit ein paar Helfern immer wieder auf, um "Äbbel ze rissele".

 


Lotte versuchte ihn zu bremsten: "Matthias, et raischt, mia honn eh kän Gefäse mie!"

Jo", antworte Matthias, während er zum nächsten Baum sprang.
Die Äpfel stammten sowohl aus eigenem Anbau, als auch von Gemeindebesitz. Gut durschmischte Sorten, sowohl von den süßen als auch von den sauren, ergibt den charakteristischen Gemschmack vom Fiez. Die bevorzugten Sorten von Matthias und Anette lauten Kaiser Wilhelm, Boskop, "Buuhneäbbel", Luxemburger Renette und "Goldbamähne".

 

 

Eine sachliche und genaue Beschreibung des Kelterns lieferte auf Anfrage Frau Arm: "Jo! – Äbbel – Musa – Kelda – Saft – Fiez". Alles klar? Also, noch mal langsem: Die Äpfel werden im "Musa" zerstückelt, von dort in den Kelter gegeben und zu Saft gepresst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Apfelreste, "dä Treba", wird den Sauen im Wald serviert.

 

Der gewonnen Saft kann sofort genossen werden (lecker!) oder im Einkocher haltbar gemacht werden. Die Flaschen bleiben dort bei 80°C für 23 Minuten und können anschließend eingelagert werden.

 

Kurt kam zwischendurch als Gast vorbei und schien gefallen an diesem Ereignis zu haben.

 


Wer aus dem leckeren Saft lieber Fiez machen will, der muss auf ein etwas 25-Liter-Gefäß einfach einen Gäraufsatz machen und den Fiez drei bis vier Monate stehen lassen – färdisch! So jedenfalls hat es Anette erklärt. Sie findet den Fiez nach etwa sechs – acht Wochen am leckersten.

 

 

 


Erst in diesem Jahr hat Frau Arm dann festgestellt: "Isch wusst gar net, dat de Maddes gar käne Fiez trinkt!"
Sie war es auch, die diesen sagenhaften Kunsstofffilter für die Ballonflasche auf dem Flohmarkt erstanden hat.

 

 

 


Insgesamt war das Hauptteam von morgens bis abends beschäftigt. Die Arbeit, der Humor, die fröhlichen Kinder, zwischendurch Kaffee, Bier und Kekse und abends Pizza vom Beulicher Hof – alles gut.