Aufwendige Feuerwehrübung in Mursche

Am 29. Mai 2015 fand eine Übung der freiwilligen Feuerwehr Gondershausen und Beulich in Mursche statt. Dank dem Hinweis von Malodde Rolf durfte eine Mitarbeiterin unserer Onlineredaktion als Paparazza von der ersten Sekunde an dabei sein. Auf Anfrage erlaubte Übungsleiter Jens Fotos von allen Seiten des Geschehens.

Es begann mit dem Bestücken eines leerstehenden Hauses - Technik wurde hinein geschleppt ...

... um Feuerrauch zu simulieren ...

... und Puppen, um das Suchen von Personen im rauchgeschwängerten Haus zu üben. Wenn wir gute Beobachter unter unseren geschätzten Lesern haben, dann ist das sich unauffällig nähernde Publikum bereits entdeckt - was zunächst konspirativ wirkte, schien sich doch schon weiter rum gesprochen zu haben.

Die Puppen lagen in verschiedenen Zimmern. Außerdem wurden Fenster verdunkelt ...

... damit die Suche für die ahnungslosen Feuerwehr hübsch erschwert wird. Es wird der worst case geübt, so realistisch wie es geht.

Übungsleiter Jens Adams und Jörg Kremer (im Foto = Jens) sahen zu, dass die Technik für das Schauspiel auch reibungslos funktioniert.

Selbstredend war Bürgermeister Hans-Peter Friedrich informiert. Er und sein Stab mussten der Übung zustimmen.

Und dann ging es los: Hier rollt die Feuerwehr an. Da es eine Übung war, wurde das Blaulicht mit Horn erst am Übungsobjekt eingeschaltet - Risiko eines Unfalles durch Schreckmomente vermeiden.

Kaum stand der erste TLF (Tanklöschfahrzeug (-; ), ging es auch schon los. Was unser werter Leser kaum wissen kann: Bis zu diesem Zeitpunkt ist schon einiges backstage gelaufen: Brandalarm --> bereits im TLF beginnt die Arbeit (z.B. Anlegen des Atemschutzes, Lagepläne sichten, bei Autounfall entsprechende Handschuhe anziehen, usw.). Man höre und staune: Die Sitzplätze im Feuerwehrauto entscheiden über die Aufgabe! Und: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Selbstverständlich darf sich nur auf den Sitzplatz setzen, wer auch die spezifische Ausbildung für die entsprechende Aufgabe hat. Da gibt es die Kategorien Angriffstrupp (Rettung, technische Hilfe, z.B. mit schwerem Werkzeug Opfer aus Unfallwagen befreien) Schlauchtrupp (Rettung, Geräte) Wassertrupp (Rettung, Sicherung Einsatzstelle).

Im Wagen sind die Aufgaben folgendermaßen an die Sitzplätze gebunden: Fahrer = Maschinist Beifahrer = Fahrzeugführer / Gruppenführer / Einsatzleiter Reihe hinterm Fahrer von links nach rechts :Angriffstruppführer, Melder, Angriffstruppmann zweite Reihe hinterm Fahrer von links nach Rechts:Wassertrupp, Schlauchtrupp, Schlauchtrupp, Wassertrupp Wenn also der TLF vor Ort ist -> Leitstelle angefunkt "Objekt erreicht" und ggf. weitere Einsatzwagen nach alarmiert. Sind mehrere Einsatzwagen vor Ort, leitet der Zugführer den Gruppenführer an, verteilt die Aufgabe an die Führer: Wer geht ins Haus, wer arbeitet an den Geräten, usw.

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Dann beginnt die Phase der Erkundung durch den Gruppenführer, danach richtet sich der Einsatzbefehl. Antritt hinterm Einsatzwagen: Der Gruppenführer erteilt der Mannschaft den Einsatzbefehl, der Angriffstruppführer wiederum wiederholt den Befehl (damit gewährleistet ist, dass alle ihn auch richtig verstanden haben), dann geht es los.

Grundsätzlich gilt: Eigengefährdung der Einsatzkräfte immer im Auge behalten + Menschenrettung vor Sachrettung.

Es gibt nie nur eine Möglichkeit für den Fortgang des Einsatzes, somit gibt es auch keinen rigiden Plan, der im Fall x angewendet wird. Der Einsatzleiter entscheidet auf Grund der Bedingungen vor Ort, welche Möglichkeiten der Rettung er wählt. Damit es aber einen allgemeinen Plan für vergleichbare Situationen gibt, stehen dem geschulten Befehlshaber Führungsvorgänge zur Verfügung, die nach einem klaren Schema abgearbeitet werden. Und genau dafür sind die Übungen: Die gesamte Mannschaft geht nach der Übung die Fehler gemeinsam durch und reflektiert diese. Die einzelnen Planbeispiele werden außerdem am Modell geübt, wo jedes Teammitglied immer wieder Rede und Antwort stehen muss.

Durch die Übung wird gewährleistet, dass jeder Handgriff sitzt - auch wenn das manchmal wie grobes Chaos aussieht: Hier weiß jeder, was er zu tun hat. Obwohl eine Person durch klopfen am Fenster auf sich aufmerksam machte (simuliert durch Jugendfeuerwehrmann Max Schwarz), wurde draußen ruhig und professionell weitergearbeitet. Erklärung: Die betreffende Person befand sich in dem brandfreien Raum nicht in akuter Lebensgefahr, die Mannschaft darf sich durch Panikschreie nicht aus dem geregelten Ablauf bringen lassen und führt den Einsatz kontrolliert durch.


Was auf diesen Fotos zu sehen ist: Ein Standrohr mit zwei B-Abgängen für den Anschluss an den Hydranten. Und: Das Wasser läuft und man kann genau sehen, wo im Schlauch es gerade angekommen ist.


Die Jungs hatten sich etwas verschätzt, Leiter zu lang, ein Teilstück musste wieder entfernt werden. Übung macht den Meister: Für das Trainieren von solchen Erfahrungswerten sind die Übungen gedacht. In diesem Fall kam die Leiter übrigens zum Einsatz, weil das Treppenhaus wegen starker Rauchbildung nicht begehbar war.

Auf diesem Foto ist ein B-3-C-Verteiler zu sehen: dicker B-Schlauch wird in dünnere C-Schläuche verteilt. Es gibt A,B,C und D Schläuche, der dickste Schlauch dient meist als Ansaugschlauch, der D-Schlauch ist sehr selten im Einsatz. Er ist geeignet, um große Flächen zu benetzen, z.B. bei Wandbränden. Bei den meisten Bränden werden Netzmittel benutzt, um die Oberflächenspannung des Wasser zu zerstören. Damit steht die gleiche Menge Wasser für mehr Fläche zur Verfügung. Das Netzmittel ist in den meisten Fällen biologisch abbaubar, dennoch müssen die Betreiber der jeweiligen Kläranlage informiert werden, damit der Klärgang entsprechend durchgeführt wird.

Logisch gedacht: Was braucht ein Feuer? Sauerstoff + Zündtemperatur + richtige Mischungsverhältnis. Was macht die Feuerwehr? Sie schaltet eine der Komponenten aus und rettet Personen, danach Sachen aus dem Gefahrenbereich.

Da lässt sich die Notwendigkeit des Atemschutzes nicht leugnen. Der allgemeine Glaube, dass es sich bei dem Inhalt der Flasche um Sauerstoff handelt, ist nicht ganz korrekt: In der Flasche befindet sich ordinäre Atemluft. Und warum arbeitet sich der Feuerwehrmann auf den Knien durch den verrauchten Flur? Erstens kann er so vorsichtig die Lage sondieren und zweitens ist der Rauch am Boden dünner als unter der Decke.

Die Einsatzstellenbelüftung darf nur von eigens dafür ausgebildeten Gruppenführern eingesetzt werden. Im falschen Moment eingesetzt richtet das Teil mehr Schaden an, als das es nützt.

Das ist übrigens Wehrleiter Klaus Eiskirch, er ist gleichzeitig Zug- und Verbandführer, sozusagen der Unkel der Feuerwehr.

Der Wehrleiter ist nicht mit dem Wehrführer zu verwechseln. Der Wehrführer ist der Chef vor Ort und untersteht dem Wehrleiter, dieser wiederum untersteht dem Verbandsgemeinde-Bürgermeister (der aber im Normalfall nicht die Feuerwehr befehligen kann, dank fehlendem Fachwissen. Also befehligt der Wehrleiter seine Feuerwehr und ist somit Unkels rechte Hand für die Aktivität der Feuerwehr).

Im Einsatz werden Kommandos und Befehle unterschieden. "Was ist denn da der Unterschied?" fragt die völlig sachunkundige Onlinereporterin. Einsatzbefehl = Einheit - Auftrag - Mittel - Ziel - Weg -> Gruppenführer erteilt der Mannschaft den Einsatzbefehl, welche Mittel er dazu nutzt, um welches Ziel zu erreichen und über welchen Weg er dies tut und zwar in kurzen Sätzen und genau in dieser Reihenfolge. Kommando = wird sofort ausgeführt und dient dazu, die Arbeit mehrerer Hände zu koordinieren. Wenn z.B. eine Leiter aufgestellt wird und das perfekt klappen soll, hat einer der Truppe das Kommando und der gibt das Kommando "anheben!" - kaum macht man es richtig, schon klappt es. Dieses Kommando kennt bestimmt jeder: "Wasser marsch!"

Nach und nach wurden die "Puppenopfer" gefunden und gerettet (Anmerkung: An dieser Stelle fand zunächst der Begriff "geborgen" Verwendung. Nach Korrektur durch den Fachmann war klar: geborgen werden nur Tote).

Die Jugendfeuerwehr - zu erkennen an der blauen Kleidung + orangene Applikation - wird ausschließlich außerhalb des Gefahrenbereiches und erst ab 18 Jahren eingesetzt.

Die Männer mit der Atemschutzmaske sind extremen Belastungen ausgesetzt, sie sind unter der Maske nur etwa 15 -20 Minuten einsetzbar. Zu seiner eigenen Sicherheit muss sich der Träger der Atemschutzmaske regelmäßig kontrollieren lassen.

Auf der Atemschutzüberwachungstafel wird der Flaschendruck ständig überwacht, der Startdruck beträgt etwa 300 bar, der Mann mit der unglaublichsten Lunge der freiwilligen Feuerwehr Gondershausen schafft es, pro Einsatz nicht unter 160 bar zu gelangen - für seine Kameraden absolut rätselhaft.

Zuschauer Jürgen stellte sich als Vorführmodell zur Verfügung: Ihm wurde eine Brandfluchthaube übergestülpt.

Pro Einsatzwagen gibt es etwa vier Brandfluchthauben. Sie sind mit einem Filter versehen und ermöglichen die Rettung des Opfers durch dicksten Rauch oder giftige Gase.

Jedes Teil hat seinen Platz, Durcheinander nicht erlaubt.

Solange der Rettungswagen noch nicht vor Ort ist, kann der ausgebildete Feuerwehrmann die Erste-Hilfe-Maßnahme durchführen.


Alle einig: Einsatz ist gut gelaufen. Hier sind neben Ortsbürgermeister Hans-Peter Friedrich Übungsleiter Jörg Kremer und Jens Adams zu sehen, ganz rechts Elmar Kremer, Wehrführer der Feuerwehr Beulich.

Was aus dem Schlauchtragekorb abgerollt wurde ...

... muss auch wieder aufgerollt werden. Während der Aufräumarbeiten war auch ELW 1 wieder entspannt: Die vorgelagerte Leitstelle der Einsatzleitung kann z.B. mit einer Wärmebildkamera vor Ort Brandherde ausmachen. Die ELW 1 hat allerdings keine Befehlsgewalt, sondern wirkt als Führungsmittel vor Ort koordinierend. So kann sie z.B. einen Rettungswagen nach alarmieren oder einen Schornsteinfeger zur Klärung von wichtigen Fragen anfordern.

Die Jugendfeuerwehr ist ein sehr wichtiger Bestandteil der freiwilligen Feuerwehr:

Ab 16 Jahren kann ein Mitglied der Jugendfeuerwehr bei Einsätzen dabei sein, darf aber nur außerhalb des Gefahrenbereiches arbeiten. Mit 18 Jahren ist der Übergang in die Wehr mit entsprechender Truppmann-Ausbildung möglich. Die Grundausbildung Tuppmann-Ausbildung dauert zwei Jahre, Teil 1 wird auf Ebene der Verbandsgemeinde durchgeführt, Teil 2 der Ausbildung innerhalb der Wehr. Zusätzlich ist eine Ausbildung zur ersten Hilfe erforderlich. Die Feuerwehr Gondershausen wurde am 11. März 1929 gegründet. Die Jugendfeuerwehr wurde 1976 gegründet. Seither sind 80 - 90% der Feuerwehrleute aus der eigenen Jugendfeuerwehr rekrutiert worden. Die meisten Feuerwehrleute des Teams haben ihre wertvolle Erfahrung aus 20 - 25 Jahren Arbeit bei der freiwilligen Feuerwehr. Doch wer zur freiwilligen Feuerwehr geht, sollte sich folgenden Umstand wohl überlegen: Durch die Integrierte Leitstelle Bad Kreuznach wird die freiwillige Feuerwehr Gondershausen etwa 10 - 20 Mal pro Jahr angefordert. Das sind zwar nicht alles Großeinsätze, dennoch muss der Mann raus. Damit er oder sie erreichbar ist, trägt er einen Pieper (Funkmeldeempfänger) stets bei sich. Auf die dezidierte Frage, was "immer" heißt, steht Jens zu seinem Einsatz: "Wann trägst du den Pieper?" - "Immer." - "In der Badewanne?" - "Immer." - "Unter der Dusche?" - "Immer." - "Auf dem Klo?" - "Immer." - "Im Bett?" - "Immer." - "Auf der Party?" - "Immer." --- Wer alkoholisiert ist, darf am Einsatz selbstverständlich nicht mitfahren - aber er ist informiert, denn er hat den Pieper immer am Mann. Das will also gut überlegt sein, ob man zu Feuerwehr geht oder es bleiben lässt. Hut ab vor jedem, der sich dazu entschlossen hat - und gut, dass es diese selbstlosen Helden gibt. Wir danken Jens für das informative Gespräch - übrigens: Ein Blick auf die Seite von www.adams-musik.de lohnt sich. Jens ist Tauch-Profi, kann viele tausend Stunden Taucherfahrung vorweisen und war unter anderem in Kroatien Tauchlehrer. Fast hätte es den Gonderscha nach Florida verschlagen, wenn ihm nicht seine heutige Frau Alex begegnet wäre. Gut so, denn die beiden verschaffen dem Hunsrück und der Welt mit ihrer Band "Two Voices" super Musik - beide Leidenschaften sind auf der eben genannten Homepage zu finden.