August 2017: Ein Murscher bleibt vernünftig und entgeht auf diese Weise knapp dem Knast

 

Dieser Murscher möchte nicht mit Namen genannt werden, in der Rhein-Hunsrück-Zeitung bekam er deswegen in dem Artikel vom Samstag, 05. August 2017  "Blitzer können Autofahrern die Laune verderben" einen anderen Namen: „Der Name des Vorderhunsrückers soll hier aber nicht genannt werden. Taufen wir ihn also Emil“ (so die Redakteurin Charlotte Krämer-Schick). Bei und heisst Emil HR und wir können das Personenfeld noch etwas weiter eingrenzen: HR ist ein waschechter Murscher! Und seine Geschichte geht so:


 

Am Samstag, 29. Juli 2017, hat sich HR ein Schelmenstück geleistet, das mehr als nur zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf den Plan rief: Er half bei der Verkehrserziehung, damit die Autofahrer in der Schlachthofstraße der Stadt Koblenz nicht die erlaubten 50 km/h überschritten. Das war zwar ein gemeinsames Ziel von HR und der Stadt, aber während die eine den Blitzer einsetzte, wählte HR eine andere Methode:


 

Er parkte sein eigenes Auto ordnungsgemäß, stellte sich an den Straßenrand und gab den Autofahrern winkend ein Zeichen, damit diese ihr Tempo mäßigten. Die Autofahrer nahmen den Tipp dankbar an und fuhren auf der Höhe des von HR etwa 100 m entfernten Blitzgerätes unter der erlaubten Maximalgeschwindigkeit.


 

„Oh, nett!“ und „Gut gemacht!“ denkt nun gewiss der mitfühlende Autofahrer, aber die Geschichte ging noch viel, viel weiter. 

 

HRs Erfolg gefiel offenbar den beiden Damen vom Ordnungsamt überhaupt gar nicht. Das Blitzgerät hatte tatsächlich totale Pause. Erst als eine der beiden Damen sich zu HR begab, um ihn zur Rede zu stellen, wurde er leicht unaufmerksam, weil er der Dame volles Gehör schenkte. Er gab zwar parallel zum Gespräch den Autofahrern weiterhin Zeichen, aber ein Auto geriet während dieses Gespräches in die Falle. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes freute sich: „Hah! Den haben wir aber.“ 

 

Das Gespräch zwischen HR und der Dame dauerte etwa 5 min und führte zu dem Ergebnis, dass die Dame missgestimmt zu ihrer Kollegin zurückkehrte und sich mit dieser beriet.


 

In dieser Zeit blieb der Blitzer arbeitslos, dafür trafen aber weitere Mitarbeiter des Ordnungsamtes ein, die HR dazu „überreden“ wollten, seine Tätigkeit einzustellen. Sie drohten mit der Polizei und klärten ihn darüber auf, dass er wahrscheinlich mit einer empfindlichen Strafe zu rechnen habe. HR lehnte die Bitte, seine Tätigkeit einzustellen, freundlich ab und machte weiterhin vorbeifahrende Autofahrer auf das Blitzgerät aufmerksam - was sich aufgrund der Anwesenheit etlicher Ordnungsbeamter quasi erübrigt haben dürfte. HR bedankte sich auch brav für die Präsenz der Mitarbeiter in Dienstkleidung.


 

Trotz der Androhung, die Polizei hinzuzuziehen, ließ sich HR nicht beirren und hielt am Straßenrand seine Stellung. Die Polizei hatte wahrscheinlich Wichtiges zu tun. Jedenfalls traf sie nach Anrufen seitens des Ordnungsamtes nach etwa einer Stunde ein. 


 

Als die Polizei dann mit einem Streifenwagen gut sichtbar in der Nähe des Blitzgerätes stand und sich eine Menschentraube von mehreren Diensthabenden des Ordnungsamtes und zwei Polizisten um HR versammelt hatte, wäre selbst der unaufmerksamste Autofahrer unterhalb der erlaubten Maximalgeschwindigkeit gefahren, ohne dass HR ein Zeichen hätte geben müssen. In Anwesenheit der Polizisten gab HR sicherheitshalber aber weiter Zeichen. Das Gespräch mit den Polizeibeamten war sehr freundlich und von gegenseitiger Sympathie und Respekt geprägt. Es dauerte etwa 15 min, in denen HR darüber aufgeklärt wurde, dass diese Tätigkeit tatsächlich nicht verboten sei. Sollte HRs Verhalten aber zu einem Unfall führen, würde er selbstverständlich zur Verantwortung gezogen. „Selbstverständlich!“ bestätigte HR. 


 

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes vertraten die Ansicht, dass HRs Verhalten zu abrupten Bremsmanövern führe und somit eine Unfallgefahr darstelle. HR bestritt dies jedoch und machte die Polizeibeamten (und zuvor auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes) darauf aufmerksam, dass keiner der Fahrer auf der Höhe von HR bremste, sondern erst kurz vor dem Blitzer. Der Polizeibeamte konnte diese Beobachtung nachvollziehen und erteilte HR für die Schlachthofstraße einen Platzverweis, damit die Mitarbeiter des OA weiter ihrer Tätigkeit nachgehen konnten. Und zwar - nachdem geklärt war, wie lange das Blitzgerät noch an Ort und Stelle bleiben sollte - bis 23:30 Uhr. Auf Nachfrage von HR, wie weit denn die Schlachthofstraße ginge, bekam er lächelnd zur Antwort: "Von Koblenz /City bis Lay.“ Bei Zuwiderhandlung hätte HR eine Nacht in Verwahrung geblüht.


 

Die Bilanz bis zu dem Zeitpunkt von HRs Feierabend: Ein Taxifahrer, der fragte, ob HR mitgenommen werden wollte und der Fahrer eines Krankenwagens, der wissen wollte, ob HR Hilfe benötige, waren sogar mündlich gewarnt. Bis auf einen Autofahrer, ein Polizeiauto mit Blaulicht und ein Krankenwagen mit Blaulicht löste in den etwa 150 Minuten niemand das Blitzgerät aus. So waren die Einnahmen für die Stadtkasse in der Zeit, in der HR am Straßenrand zubrachte, eher mager.