11.02.99: In Mursche sind die Weiber voll zufrieden

Seit Jahrzehnten ist es immer dasselbe: Kurz vor "schwär Donnaschdach" (schwerer Donnerstag) brodelt es wieder in und um Morshausen -> die Weiberfastnacht steht kurz bevor.
Auch dieses Jahr hatten sich die Murscha-Möhne ein anstrengendes Programm ausgedacht.

8.00Uhr(!): Gemeinsames Frühstück bei Kapps Helga. Der Verein der Morshausener Möhne hat allerdings 63 Mitgliederinnen und Helga eine Küche von knapp 20 m², deshalb mußte nicht jeder kommen.

Ja, wir trinken alle Kümmerling

9.30 Uhr: Brezelverkauf ->Einige Möhnen zogen durch das Dorf und verkauften Körbeweise wohlschmeckende Brezel. Als Bezahlung nahmen sie gerne etwas Geld (für vier Brezel 6 DM + Arbeitslohn) und z.B. einen Kümmerling.

Die Bewohner dieses Hauses kauften Brezel und übergaben den Möhnen etwas Wegzehrung. Die Größe dieser einmaligen Kümmerlingflasche versetzte die Damen in noch größeres Erstaunen.


13.00 Uhr: Wer wollte, durfte gerne in das Gasthaus Schmitt zum Mittagessen wanken.


14.11 Uhr: Die Möhnen waren zwar nicht ganz so pünktlich, aber dennoch: irgendwann trafen sie am Bushäuschen ein und begannen mit Bollerwagen und Kümmerling durch das Dorf zu ziehen. Wer besonders laut und viel "Helau" (Heeh-dau, hei stiehn isch) rief, bekam auch mehr Bonbons zugeschmissen.

Fisda off raischt nett, mach mol die Dier offHall, hei gebliwwe

Die Männer des Dorfes konnten an diesem Tag kaum lachen. Weder im Auto noch auf offener Straße waren sie vor den feiernden Weibern sicher.

Hermann Simon versuchte sogar, mit Kümmerling zu bestechen. Doch ehrenhaftigkeit wurde klein geschrieben: die Weiber nahmen gerne das Kistlein Kümmerling an, der arme Mann wurde trotzdem nicht verschont.
Knäpp war da schlauer und gestattete den Kuß einer Spinne - er durfte sofort weiter fahren.


15.00 Uhr: Kaffee und Kuchen in Wisjes (Gasthaus Schmitt). Die ersten Verluste sind schon zu verzeichnen: eine Möhne begab sich schon vorzeitig ins Bett.

Nun begann der gemütliche Teil des Tages. Drei Damen aus der Ehrenburgstraße bildeten den Vorstand und eröffneten mit einer Rede das Nachmittagsprogramm. Sie gaben sich als Hofknechte der Ehrenburg aus und behaupteten, daß die Straße in Richtung Sportplatz nach ihnen benannt sei. Und demnächst wollen sie sich in das Jakob-Kneip-Museum stellen, da dort noch Altertümchen gebraucht würden.
alle Gewinne für Freunde, Verwante und Nachbarn

Anschließend verlosten sie viele nette Dinge und Roswitha hortete ein Teil nach dem anderen. Allerdings: "Wenn hei von doch moh ebbes fier misch wäar, alsu ehrlisch."
Von nun an war die Bühne frei: Die Möhnen feierten, tanzten, sangen und kümmerling. Zur allgemeinen Auflockerung verteilte zwischendurch der Verein an jedes Mitglied ein ganz kleines Präsent: für jede Möhne einen Kümmerling. Wer jetzt glaubt, daß der Kümmerling eine große Rolle spielt, der hat recht.

Jedes Jahr kommen auch die drei Frauen von Beulich, wahrscheinlich weil die armen in ihrem Dorf nicht nur keine Internet-Präsens sondern auch keinen Möhnenverein haben.

Diese Gruppe bestand aus Ehepaaren verschiedener Nationalitäten, die sich schon mit dem Euro befaßt hatten. Der Herr aus Holland erklärte bedauernd, daß er leider alleine hier stehen müßte, weil seine Frau krank geworden und vorzeitig ins Bett gegangen sei.


Die Hühner, die nicht nur rein äußerlich blau waren, machten eine kleinen Tanz. Eines dieser Hühner ist übrigens Kapps Helga.


Diese Damen gingen als "alte Schachteln" und bestehen von nun an darauf, immer zusätzlich zu ihrem Namen mit diesem Titel angeredet zu werden. Statt dem Bundesverdienstkreuz dürfen sie eine Schachtel tragen, und zwar an der Stirn.
Irgendwann war auch die Holländerin aus ihrem Bett zurückgekehrt, so daß sie noch einen Vortrag halten konnte, der auch nicht der einzige bleiben sollte.
Ab dem entgültig letzten Vortrag unterhielt der Alleinunterhalter die Damen jedoch ganz alleine. Offenbar war es eine gute Unterhaltung, denn die Feier ging bis in die Nacht.
Aus sicherer Quelle haben wir übrigens erfahren, daß Erika Biersch nicht nur aus dem Bett zurückgekehrt war, sondern auch als einer der letzten Stimmungsmacher das Feld verließ - nicht ohne den ersten Spagat ihres Lebens vorgeführt zu haben.


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