06.03.1999:

Brotbacken nach über 30 Jahren Ofenpause

Testbacken für das Backesfest - Fiezprämierung

Teig Teig Teig

Die Sanierung des Murscher Backes ist inzwischen fast abgeschlossen. Als Vorbereitung auf das Backesfest anläßlich der Einweihung des Jakob-Kneip Museums wurde an Freitag und Samstag ein großes Testbacken mit anschließender Fiezverkostung veranstaltet. Da der Backes schon über 30 Jahre außer Betrieb war, wußte allerdings keiner im Dorf mehr ganz genau, wie das Backen überhaupt funktioniert. Deshalb wurde eigens eine weithin anerkannte Kapazität, Fischbachs Helga (links), gebürtige Murscherin, hinzugezogen.

Schon am Freitag abend wurde der Teig angesetzt, und zwar lediglich mit Mehl, Salz und Wasser in der sogenannten Mole. Die genaue Zusammensetzung wurde mit "nach Gefühl" angegeben.


noch nicht sauer:dieser betuchte TeigAm nächsten Morgen um halb Sechs wurde der Teig von Frühaufstehern nochmals durchgeknetet, ebenso um halb Acht. Während einer dieser Knetungen kam noch Sauerteig dazu. Auf diesem Bild sieht man die sogenannten Kremmele, Teigreste, die den Sauerteig für das nächste Brotbacken am 24. April ergeben. Fränsjes Inge wird diesen Stoffbeutel an einem warmen Ort bis zu diesem Anlaß aufbewahren.

Um neun wurde der Teig zu Brotlaiben geformt. Der Trick, mit dem der Teigknutzen in längliche Form gebracht wird, besteht in einem unbeschreibbaren Schleudervorgang, den die anwesenden Damen tatsächlich noch beherrschten: 'Dat verliert ma net' - so wurde einhellig erleichtert festgestellt.


knetfiguren einmal anders

Und dies ist das Ergebnis - ein Laib schöner als der andere. Insgesamt 25 Laibe wurden fertiggestellt, was eine beachtliche Knetleistung darstellt. Wer allerdings glaubte, dies seien zuviele, sah sich später im Irrtum - denn die Brote waren so schnell weg, daß viele Kaufwillige leer ausgingen.

Jedes einzelne Brot wurde beim Einritzen mit dem Messer mit einem Segensspruch bedacht.


Schnitz Schnatz Ä-ppel-Platz

Währenddessen wurden im Sitzungssaal der alten Schule schon die Äpfel für den sogenannten Äbbelplatz, einer Art Apfelkuchen mit Brotteig, geschält.

Am Kischepidda v.l.n.r.: Paalse Marie, Simmes Mechthild und Hennesjes Marianne.


Um ca. halb Elf wurden die Brote, zum Kälteschutz eingehüllt in Stofftücher, auf insgesamt drei Sänften abtransportiert. Hier sieht man gerade die letzte Fuhre, vornan mit Schangs Erwin, vom Laibhaftigen und 'Fischbachs Helga' persönlich gefolgt. Ziel des Marsches ist der Backes, wo schon seit dem frühen Morgen eingeheizt wurde.


Shadow on the Kurt

Klaus Eberhard und Bürgermeister Kurt Biersch sind es, die hier so einträchtig am Köbes vorbei und auf die Kirche zu latschen. Letzterer hat übrigens die sogenannten 'Schanse' gebunden. Das sind Reisigbündel, die zur Feuerung des Ofens dienen.


ankunft des Laibhaftigen

Die Ankunft am Backraum, der bis vor kurzem noch die Utensilien der Ehemaligen Freiwilligen Feuerwehr Morshausen beheimatet hat.


Kids

Die Sänftenträger bzw. die Brote sind schon dringend erwartet worden.
v.l.: Niko Boos, Tobias und Julian Friedrich.

Inzwischen hat Ortsbürgermeister Biersch ganz schön Schaff (hdt.: Arbeit+Mühe) damit, die Backfläche glutfrei zu bekommen. Erst dann können die Laibe eingeschoben werden. Leider haben wir kein scharfes Bild davon zustande bekommen, obwohl es fast 20 Minuten gedauert hat, bis alle Brote eingeschoben und der Ofen verschlossen werden konnte.


Fäddisch

Nach 11/4-Stunde wurden die Brote wieder herausgeholt - ein spannender Augenblick, denn die notwendige Backzeit konnte nur geschätzt werden. In diesem Fall hatten die Schätzer genau ins Schwarze getroffen. Es waren allerdings auch einige hellere Brote herausgekommen.


Im Anschluß wurden die Brote innerhalb weniger Minuten verkauft (an Ort und Stelle wurde eine Kostprobe veranstaltet). Gleichzeitig wurde der Äbbelplatz in den Ofen geschoben, der ebenfalls Nachmittags verzehrt wurde.


Damit war der Tag noch lange nicht gelaufen. Am Nachmittag wurde eine offizielle Fiezverkostung und -Prämierung ('Fiez' = Äbbelwoi) durchgeführt, an der sich namhafte Hersteller und Konsumenten aus ganz Mursche beteiligten. Bewertet wurde nach dem objektiven Schluck-für-Schluck-Punkte-Verfahren, das durch anonymisierte Beflaschung Urteile frei von parteipolitischem Kalkül erlaubt. Da unsere Digitalkamera inzwischen anderweitig eingesetzt war, fehlen uns leider die Beweisaufnahmen. Fest steht jedenfalls der Gewinner: es ist der Escher. Mit Null Punkten mußte sich der Frid mit dem letzten Platz begnügen - sein Fiez war den Testern zu süß.

Alles in Allem eine gelungene Generalprobe, die den 24. April (nur zur Erinnerung: Jakob Kneip- und Backesfest in Mursche, Eintritt frei, preiswerte Getränke, gutes Essen) mit Spannung erwarten läßt.


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