02.04.1999:

Stutzwecken für jeden Morshauser

Am Karfreitag bekommen die Murscher in der Kirche einen Weck und überhaupt gehen die Kinder zur Osterzeit 'rombele'

erfreute Gesichter

Seit Urgroßmutters Gedenken wird in der Murscher Kirsche einmal im Jahr etwas zu Essen ausgeteilt. Diese schmackhafte Tradition ist einem Herrn zu verdanken, der am 19. Mai 1729 geboren worden ist und die ersten Lebensjahre in Morshausen verbracht hat. In seinem späteren Leben hat es ihn nach Dänemark verschlagen, wo er kurz vor seinem Ableben in einem Testament seinen Besitz der 'Kirche der Gemeinde Morshausen, im Trierischen gelegen' vermachte. Das Testament kann man in der Dorfchronik oder später auch in unsere Seite 'Brauchtum' nachlesen. Letztere ist schon in intensiver Bearbeitung und dürfte bald erscheinen.

Nach jenem letzten Willen sollte 'ein gut Stück Acker' gekauft und von den Pachteinnahem für die Bürger des Dorfes Stutzwecken gebacken und 'etliche Quart Wein' ausgeschenkt werden.
Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, mit Ausnahme des alkoholischen Teiles: dank inflatorischer und etlicher anderer Einflüsse mußte diese Gabe leider gestrichen werden. Allein die Ausgabe des Spitzweck ist für die meisten Morshauser ein köstlicher und feierlicher Moment, der hoffentlich noch lange als Tradition erhalten bleibt.


Rombelnde KinderEine weitere Tradition ist das 'Rombele'. Während der Osterzeit können die Glocken der Kirche nicht geläutet werden, weil sie 'zur Segnung nach Rom fliegen. Damit die Bewohner des Dorfes trotzdem wissen, in welchem Abschnitt des Tages sie sich befinden und wann sie zur Kirche zu gehen haben, gehen die Kinder mit ihren Rombelkästen durch den Ort und verkünden das jeweilige Anliegen. So wird zum Beispiel morgens um sechs gerufen: 'Ave maire, aus da Bedda'.


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